Rede – Gedenken zu den Novemberpogromen 10.11.2025

von Désirée Barretta & Finja Kierbaum

Liebe Anwesenden, lieber Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, liebe Bürgerinnen und Bürger,

wir stehen heute hier, 87 Jahre nach der Reichspogromnacht und gedenken jener Nacht, in der in ganz Deutschland Synagogen brannten, jüdische Geschäfte zerstört, Menschen gedemütigt, verhaftet und ermordet wurden.

Eine Nacht, die das Ende der Menschlichkeit und den Beginn eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte markierte. Wir stehen heute hier als Teil einer Stadtgesellschaft, die sich bewusst ihrer Geschichte stellt.

Als Jugendstadtrat möchten wir zeigen: Erinnern ist eine gemeinsame Aufgabe.

Über Generationen hinweg tragen wir die Verantwortung, das Geschehene nicht zu vergessen und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Auch hier in Solingen sind die Spuren dieser Geschichte sichtbar.

Die Solinger Synagoge, die einst genau an diesem Ort stand, wurde in jener Nacht zerstört. Unsere Stadt hat Leid, Zerstörung und Wiederaufbau erlebt. Doch Solingen hat auch immer wieder gezeigt, was Zusammenhalt bedeutet…

Was es heißt, Menschlichkeit zu bewahren, selbst wenn Hass versucht, sie zu zerstören.

Wir erinnern heute nicht nur an das, was war. Wir blicken auch auf das, was ist und auf das, was unter keinen Umständen wieder geschehen darf! Denn Antisemitismus, Rassismus und Hass sind keine Gespenster der Vergangenheit. Sie sind leider immer noch Teil unserer Gegenwart…

Wenn Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens angefeindet werden, dann ist das ein Angriff auf uns alle.

Als junge Menschen fragen wir uns oft: Was können wir tun?

Wie können wir dazu beitragen, dass sich Geschichte nicht wiederholt?

Vielleicht beginnt es damit, dass wir zuhören – den Überlebenden, den Zeuginnen und Zeugen, den Familien, die ihre Stimmen heute weitertragen.

Vielleicht beginnt es auch damit, dass wir nicht wegsehen, wenn Unrecht passiert und dass wir sprechen, auch wenn Schweigen vielleicht bequemer wäre. Erinnern bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen, egal ob in der Schule, in den sozialen Medien, im Freundeskreis, in unserer Stadt.

Und Verantwortung bedeutet, Haltung zu zeigen. Denn Demokratie, Vielfalt und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen jeden Tag neu gelebt, geschützt und verteidigt werden. Solingen weiß, was Hass anrichten kann.

Der Brandanschlag von 1993 hat uns schmerzhaft gezeigt, dass die Wurzeln von Rassismus tief reichen und dass Erinnern allein nicht reicht, wenn wir nicht handeln.

Deshalb wollen wir als junge Generation Mut machen: Mut, für Menschlichkeit einzustehen.

Mut, Nein zu sagen – zu Hass, zu Hetze, zu Gleichgültigkeit.

Und Mut, Ja zu sagen – zu Respekt, zu Vielfalt, zu einem friedlichen Miteinander.

Wir glauben fest daran, dass selbst in der dunkelsten Nacht ein Licht der Hoffnung brennen kann – wenn wir es gemeinsam tragen.

Nie wieder ist jetzt.

Nie wieder ist hier.

Nie wieder ist unsere Aufgabe, die Aufgabe aller!

Danke.